Mailand (Italien): Wintersemester 2017/18 und Sommersemester 2018


Studierendenvorstellung: Tina Ternes


Mein Name ist Tina Ternes, ich bin 22 Jahre alt und habe gerade das vierte Semester an der TU Darmstadt in den Fächern Digital Philology und Philosophie im Joint Bachelor of Arts abgeschlossen. Die nächsten zwei Semester werde ich in Italien an der Università degli studi di Milano verbringen.

Dass ich ein Auslandsjahr in Italien in mein Studium integrieren möchte, wusste ich bereits vor meinem Studienbeginn, da ich dort bereits nach dem Abitur ein halbes Jahr auf Reisen verbracht habe. Dies ermöglichte mir nicht nur die Aneignung der Landessprache, sondern auch einen guten Einblick in die italienische Kultur. Was mich dabei vor allem begeisterte, war die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen, das Leben, das sich viel mehr auf den Straßen und Plätzen als in den Häusern bewegt, und so offensichtlich wie erwähnenswert: Die italienische Küche.

Natürlich bin ich nun auf den dortigen Universitätsalltag sehr gespannt und freue mich darauf, meine Erlebnisse sowie Tipps und Tricks rund um das Auslandssemester in Italien hier zu teilen.

Wenn ihr Fragen zu meinem Auslandsaufenthalt habt, die ihr mir persönlich stellen wollt, bin ich unter tina.ternes(at)stud.tu-darmstadt.de zu erreichen.

 

(Stand: Oktober 2017)

Vorbereitungen des Studienaufenthaltes in Mailand, Italien


Hallo liebe interessierte Menschen,

hier ist also der erste Blogbucheintrag, in dem ich ein wenig beschreiben möchte, wie man von Darmstadt nach Mailand kommt und (im besten Fall) ein Jahr dort verbringt.


Von Bürokratie, italienischen Universitäten und anderem Kram


Aller Anfang liegt (leider) in der Finanzierung. Je nach Land können sich Studien-, Unterhalts- und Reisekosten massiv unterscheiden. In jedem Fall ist es aber zu empfehlen, sich gut anderthalb Jahre vor Austauschbeginn mit diesem Thema zu befassen.

Neben dem Erasmus+ Programm gibt es für Länder inner- und außerhalb Europas verschiedene Stipendien. Es empfiehlt sich, sich zunächst zu erkundigen, welche Partnerunis die Heimatuni zu bieten hat, aber auch, wenn man einen vielleicht sehr exotischen oder dort nicht vertretenen Wunsch hat, kann man sich als so genannter „Freemover“ auf Stipendien, z.B. beim DAAD, bewerben oder schauen, was der Auslands-Bafög zu bieten hat. Auch nicht schaden kann sicherlich ein gewisses finanzielles Privatpolster.

Wichtig ist dabei, über sämtliche Fristen und Forderungen der Stipendiengeber den Überblick zu behalten. Beispielsweise weil man ein Gutachten braucht, einen Sprachnachweis erbringen muss oder ein Motivationsschreiben verfassen soll.

Sind die Bewerbungen raus, heißt es dann erstmal abwarten, ständiges, nervöses Mail checken und sich insgeheim schon ein bisschen freuen.

Beim Erasmus+ Programm werden die Bewerber vom jeweiligen Fachbereich für die vorhandenen Austauschplätze nominiert. Von da an sind es noch drei wichtige Schritte zum Antritt des Auslandssemesters: Die Bewerbung an der Partneruni, das Learning Agreement und die Unterzeichnung des Grand Agreement.

Der erste Punkt ist dabei der wohl schwierigste, da er universitätsspezifisch ist, und man so auf wenig Hilfe der Heimatuniversität hoffen kann. Ich persönlich informiere mich gerne erst einmal selbst, bevor ich jemanden mit unnötigen Fragen belästige. Bei der Bewerbung an der Partneruni habe ich gelernt, dieses Verhalten (zumindest teilweise) abzulegen.

Erst nach mehrstündiger Recherche konnte ich mich dazu durchringen, mich an den Mobility Service der Uni Mailand zu wenden. Wie sich schließlich herausstellte, ist beim Senden der Informationsmail für Bewerber an mich etwas schiefgelaufen.

Ich kann also allen (zukünftigen) Austauschstudent*innen nur ans Herz legen: Habt keine Angst, euch mit Menschen in Verbindung zu setzen!

Ein weiterer Kontakt, der mir sehr geholfen hat, war eine Studentin der Uni Mailand, die gerade ihr Auslandsjahr in Darmstadt verbrachte. Ich weiß nicht, inwiefern man da an Kontaktdaten kommen kann, aber Informationen aus erster Hand sind immer hilfreich, besonders, wenn man sich in ein neues Universitätssystem einfinden muss. Und dies sollte man zumindest für das Learning Agreement ein bisschen verstanden haben, da darin die Kurse eingetragen werden sollen, die man im Partnerland belegen möchte.

In Italien teilt sich nämlich trotz Vereinheitlichung durch Bologna das Studium nicht in Bachelor und Master, sondern in Laurea Triennale und Laurea Magistrale – dazu gibt es noch den Ciclo Unico, den ich mit dem deutschen Staatsexamen vergleichen würde.

Ferner werden in Italien nicht Semester, sondern Studienjahre gezählt, die jeweils in das erste, also Winter- und das zweite, also Sommersemester unterteilt sind. Möchte man also wissen, wann ein Kurs angeboten und für welchen Studienzeitpunkt er empfohlen wird, sollte man das beachten.
Außerdem ist es in Italien nicht üblich, noch ein Nebenfach zu belegen, obwohl dies für Austauschstudent*innen grundsätzlich möglich ist. Das heißt jedoch, dass es leider, zumindest an der Universität Mailand, kein fakultätenübergreifendes Vorlesungsverzeichnis gibt. Wenn also, wie in meinem Fall, die Austauschfakultät nur bedingt mit dem eigenen Studiengang übereinstimmt, ist die Suche nach Veranstaltungen ein eher beschwerliches Unterfangen, da man sich zunächst durch ein Websitegewusel arbeiten muss, um sich einen Überblick zu verschaffen. Die meisten Websites sind nur bedingt auf Englisch verfügbar und unterscheiden sich in ihrem Aufbau. Wer also keine Sprachkenntnisse hat, sollte sich unbedingt jemanden zu Hilfe holen. Wenn man den Studienplan für ein Fach sehen möchte, dann findet man dies unter dem Stichwort „Piano Didattico“ und die Veranstaltungszeiten und -orte (sobald verfügbar) unter „Orari lezioni“.

Die angebotenen Veranstaltungen bleiben übrigens in jedem Jahr gleich, also kann man sich relativ früh anschauen, was man belegen und am besten in den eigenen Studienplan einfügen kann. Daraus bastelt man dann auch den Erstentwurf des Learning Agreements, der dann mit dem unterzeichneten Grand Agreement abgegeben wird. Diesen Entwurf kann man dann aber auch während des Aufenthalts noch einmal ändern, wenn sich beispielsweise Kurse zeitlich überschneiden, sich noch andere Möglichkeiten eröffnen oder man sich etwas zu viel zugemutet hat.

Ich habe mich für das erste Semester für nur zwei Kurse entschieden. Einerseits, weil die verschiedenen Fakultäten der Uni in den verschiedensten Stadtteilen liegen und das Studieren zwei verschiedener Fächer hier, wie bereits erwähnt, nicht unbedingt vorgesehen ist, sodass es sehr schwierig war, meinen Stundenplan nach meinen Wünschen zu gestalten. Andererseits, weil ich die Zeit hier außerdem nutze, um zwei Hausarbeiten für das Heimatstudium zu schreiben. Außerdem glaube ich, dass man gerade im Bereich Sprach- und Literaturwissenschaften trotz bescheinigter mittelguter Italienischkenntnisse ruhig ein bisschen mehr Zeit für einzelne Kurse einplanen kann, um wirklich etwas mitzunehmen und nicht nur grob die Sprachbarriere zu überwinden.

Grundsätzlich war die Unterzeichnung des Learning Agreements eine sehr positive Erfahrung. Die Lehrkräfte und Verantwortlichen haben mich in eigentlich all meinen Interessen unterstützt und versuchen wirklich, sämtliche Credits der gewünschten Veranstaltungen irgendwo im Studienplan anzurechnen. Man sollte also keine Angst davor haben, an eine Universität zu gehen, die vielleicht nicht gerade wortgetreu alles anbietet, was im eigenen Modulhandbuch steht.

Die Unterzeichnung des Grand Agreements ist dagegen recht unspektakulär, aber immerhin der Moment, an dem man dann mit Sicherheit weiß, über welchen Zeitraum man mit welchem Geld rechnen kann, denn dies ist davor nur in Richtwerten nach Ländergruppen angegeben.

Von Wohnungssuche, Kofferpacken und Ängsten


Die Wohnungssuche ist neben der Bewerbung an der Partneruniversität eine der größeren Herausforderungen. Wie in Deutschland ist es auch in den großen Städten Italiens nicht einfach, eine (vor allem bezahlbare) Bleibe zu finden. Das geht in Mailand soweit, dass Zimmer auch gerne als Doppel- oder Dreierschlafräume vermietet werden, für die man in guter Lage auch mal 600€ hinlegen kann. Auch in Wohnheimen werden fast ausschließlich Doppelzimmer zu einem Preis von 300 bis 400€ vergeben. Da ich jedoch gerne auch mal Besucher beherbergen und bevorzugt in einem italienischsprachigen Haushalt leben wollte, habe ich mich gegen diese Option entschieden und mich auf eigene Faust auf die Suche begeben.

Auch auf Angebote wie Uniplaces und Airbnb habe ich aus ähnlichen Gründen verzichtet, obwohl ich glaube, dass diese gerade für Interessierte mit keinen oder nur wenigen Sprachkenntnissen sehr hilfreich sein können.

Mein Zimmer habe ich (nach langer Suche) dann über Facebook gefunden. Es gibt dort Gruppen, in denen Gesuche und Angebote von Agenturen und Privatpersonen veröffentlicht werden. Ich würde empfehlen, einfach (bei Facebook oder aber einer beliebigen Suchmaschine wie Google) nach „Affiti Milano“ zu suchen. Eine Seite wie wg-gesucht gibt es in Italien leider nicht, und auch Auswahlverfahren wie WG-Castings sind hier eher unüblich.

Nach einer kurzen Führung via Whatsapp-Videocall und begleitendem Smalltalk war für meine Mitbewohnerin schon alles geklärt, und der Rest wurde dann über den Vermieter ausgemacht.
Insgesamt hatte ich zwei digitale Wohnungsbesichtigungen und gefühlte 100 Anfragen ausgesendet. Viele Vermieter suchen verständlicherweise nach Langzeitmietern, weshalb die Wohnungssuche für Erasmusstudenten sich noch einmal als schwieriger erweist, besonders wenn man nur für einen kurzen Zeitraum bleibt. Ich denke, wie so oft muss man auch einfach ein wenig Glück haben.

Meine Wohnung liegt etwa eine halbstündige U-Bahnfahrt vom Stadtzentrum entfernt in einem Universitätsviertel (leider nicht meiner Universität, aber die Umgebung ist mit vielen Bars, Copyshops und einer guten Anbindung eigentlich ideal).

Zunächst hatte ich einige Bedenken, einerseits weil mein Zimmer auch der Durchgang zur Toilette ist und das Urteil, das man durch eine Handykamera fällt, nicht unbedingt das verlässlichste sein muss, andererseits aber auch die Angst, am Ende mit Gepäck vor einer Adresse zu stehen, die gar nicht existiert. Nicht, dass ich wirklich einen Grund gehabt hätte, an der Seriosität des Angebots zu zweifeln, aber gerade wenn es um Anzahlungen geht, hat man dann ja doch wieder Bedenken und die Geschichte der Cousine eines entfernten Verwandten eines Facebookfreundes im Kopf, der genau das passiert ist.

Nun, letztendlich sitze ich jetzt tatsächlich in meinem wunderbaren Zimmer mit meiner wunderbaren Mitbewohnerin und hätte mir die Aufregung auch sparen können – was aber nicht heißt, dass man nicht etwas vorsichtig sein sollte, vor allem wenn man sein Zimmer von Deutschland aus organisiert.

Ist also dann von der Uni bis zur Unterkunft soweit alles organisiert, heißt es dann eigentlich nur noch packen und los! – Naja, und zusehen, wie aus Monaten Wochen, aus Wochen Tage werden und man sich immer unvorbereiteter und unsicherer vorkommt.

Ich muss zugeben, dass aus meiner monatelangen Vorfreude in den letzten Wochen vor dem Aufbruch doch noch eine leichte Panik bis zu einer mittelgroßen Unlust geworden ist. Häufig konnte ich nicht wirklich einschlafen, weil ich das Gefühl hatte, irgendetwas sehr wichtiges vergessen zu haben. Dann natürlich die Angst davor, dass sich alles nicht so entwickelt, wie man sich es vorgestellt hat, beispielsweise weil man keine Freunde findet, Zuhause zu sehr vermisst oder am Ende zugeben muss, dass man es doch nicht durchziehen kann – eben solche Sachen. Dazu kommt noch, dass man sich im Prinzip ja gerade erst an der eigenen Uni richtig zurechtfindet, dass man nicht weiß, welche Kommilitonen überhaupt noch da sind, wenn man zurückkommt, und die Frage, ob es nicht auch okay wäre, einfach daheim zu bleiben.

Ich kann mir gut vorstellen, dass das nicht jedem so geht, und sowohl im Nachhinein als auch währenddessen weiß man (wie so oft), dass es eigentlich unbegründete Sorgen sind.

Ein Hilfsmittel, das sich für mich bewährt hat, sind Listen. Es klingt vielleicht banal, aber der Effekt einer durchgehakten To-do- und Packliste auf die Angst etwas vergessen zu haben ist nicht zu unterschätzen, und sie helfen außerdem, den Überblick zu behalten. Gut, ich selbst habe ausgerechnet meine Zahnbürste zuhause im Becher stehen lassen, aber sowas kann man ja recht leicht besorgen.

Aber auch eine Wunschliste von Dingen, die man im Zielland gerne gemacht haben, oder Orten, die man gerne besuchen möchte, hilft, sich daran zu erinnern, warum man sich eigentlich auf die Abreise freut. Außerdem ist sie ein guter Begleiter, wenn man sich dann doch einmal einsam fühlt. (In vielen Museen in Mailand ist der Einlass in den letzten Öffnungsstunden frei, sodass man statt Frühabendmelancholie zu betreiben auch einfach mal spontan auf Entdeckungsreise gehen kann).

Zu Packlisten könnte man noch sagen, dass es davon einfach massig im Internet gibt, die man dann nach eigenen Bedürfnissen befolgen kann. Meiner Meinung nach ist weniger dabei meist mehr – besonders wenn man sich an Gepäcklimits von Fluggesellschaften halten muss. Da das Wetter in Mailand sich (bis auf ein paar Grad mehr) kaum vom deutschen unterscheidet, muss man hier auch kaum etwas beachten. Hilfreich kann jedoch ein Steckdosenadapter sein. Zwar passen die meisten schmalen Stecker in die italienischen Haushaltssteckdosen, bei größeren muss man allerdings etwas zwischenstöpseln.

Mit diesem spannenden Thema möchte ich dann auch erstmal schließen. Wer möchte, darf sich dann bald auf einen weiteren Beitrag über meine Ankunft und die ersten Erfahrungen hier freuen.

Als kleiner Teaser: Es gibt mehr Bürokratie!

Grüße aus Mailand und Arrivederci!

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