"Die Vermittlung von Fachsprache ist für den Studienerfolg unerlässlich." - Das 3. Arbeitstreffen des Forschungsfokus "Geflüchtete" der GAL an der Uni Bayreuth (25.05.2018)


Am 25. Mai 2018 machte sich eine kleine Delegation aus Lehrenden und Studierenden der TU Darmstadt auf den Weg zum 3. Arbeitstreffen der GAL (Gesellschaft für angewandte Linguistik) in Bayreuth, welches am 25. und 26. Mai stattfand. Im Rahmen des Seminars „Tätigkeitsfelder DaF/DaZ - Mehr als unterrichten“ konnten die Seminarteilnehmer*innen unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Hufeisen an diesem Treffen teilnehmen.

Der Zweck der Arbeitstreffen


Das 3. Arbeitstreffen war eine Zusammenarbeit des Forschungsfokus „Geflüchtete“ und der Servicestelle „Flucht und Migration“ der Uni Bayreuth. Bei diesem Arbeitstreffen stand das Thema „Bildungssprachliche Kompetenzen“ im Mittelpunkt, zu welchem acht Vorträge angesetzt waren. Ziel der Arbeitstreffen ist ein Austausch verschiedener fachlicher Perspektiven zu einem Thema sowie die Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Arbeitsgruppen. Außerdem werden laufende Projekte vorgestellt und neue Fragestellungen entwickelt, die wiederum Anregungen für neue Forschungsbereiche liefern können. Die Vorträge wurden von Lehrenden und Forschenden verschiedener Universitäten gehalten und dienten jeweils der Vorstellung aktueller Forschungsergebnisse sowie deren Diskussion. Auf aktuelle Fragstellungen, wie die sprachliche Integration von Geflüchteten in einem schulischen bzw. universitären Kontext gelingen kann, sowie die Nutzung vorhandener Kompetenzen und Ressourcen von Geflüchteten, sollte das Treffen erste Antworten liefern bzw. zu einer gemeinsamen Reflexion der Teilnehmenden dienen.

Zwei Tage gefüllt mit einer großen Bandbreite an Vorträgen


Die Vorträge des Arbeitstreffens boten ein breites Spektrum an Handlungsfeldern und Perspektiven. Am ersten Tag des Arbeitstreffens wurde von Projekten und Herausforderungen im schulischen Kontext berichtet, wie in den Vorträgen von Mario Schmiedebach, Maxi Kupetz, Karin Berendes und Magdalena Michalak. Hier wurden internationale Klassen, die Notwendigkeit von fachsensiblem Sprachunterricht, sowie vorhandene bildungssprachliche Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen thematisiert. Den Abschluss des Tages bildeten die Vorträge von Lennart Bartelheimer und Katharina Braunagel, die ihre Forschungsprojekte vorstellten. Der zweite Tag des Arbeitstreffens war dem Thema sprachliche Integration im universitären Umfeld gewidmet. Neben Corina Maier, die vom „Willkommensjahr“ der Frankfurter Hochschule berichtete, stellte Christoph Merkelbach ein erstes Resümee einer Studie vor, die Einschätzungen und Erfahrungen von studieninteressierten Geflüchteten an der TU Darmstadt untersucht. Abschließend stellte Sandra Sulzer die Ergebnisse ihrer Untersuchungen in Bezug auf ehrenamtliches Engagement in der Arbeit mit Geflüchteten, mit besonderem Schwerpunkt Sprache, vor.

Die im Folgenden vorgestellten Vorträge zeigen die thematische und institutionelle Bandbreite der Arbeit des Forschungsfokus „Geflüchtete“. Hieraus wird deutlich, dass das Themengebiet „Erwerb von bildungssprachlichen Kompetenzen“ sowohl an Schulen als auch an Universitäten relevant ist. Im ersten Vortrag präsentierte Mario Schmiedebach sein Promotionsprojekt „Evaluation des Naturwissenschaftsunterrichts von Schüler*innen aus internationalen Klassen“, das im Rahmen des Projektes „biology for everyone“ von der TU Bielefeld durchgeführt wird. Das seit August 2016 laufende Projekt setzt sich aus einem praktischen Teil und einer empirischen Auswertung anhand von Interviews mit den Schüler*innen zusammen. Im praktischen Teil unterrichtet Mario Schmiedebach zwei Gruppen von Jugendlichen mit unterschiedlichen Herkunftssprachen, kognitiven Fähigkeiten und Erfahrungen, die in „internationale Klassen“ zweier Gymnasien gehen, jeweils drei Wochenstunden im naturwissenschaftlichen Unterricht. Nach dem Konzept „Von der Handlungs- zur Bildungssprache“ werden die Schüler*innen von Handlungsbeschreibungen langsam an die Fachsprache herangeführt. In den Interviews zeigte sich, dass das Projekt insgesamt gut aufgenommen wird, was Mario Schmiedebach auch auf die starke Handlungsorientierung zurückführt. Durch die vorhandene Sprachbarriere bleibt das fachwissenschaftliche Potential der DaF-Lerner*innen jedoch oft unentdeckt, was auch an einer mangelnden Sprachsensibilität von Lehrenden in den MINT-Fächern liegen könnte. Eine besondere Schwierigkeit stellt zudem die Heterogenität der Lernenden dar, die nur durch kleinere Gruppen und individuelle Förderungen aufgefangen werden kann. Der Vortrag von Mario Schmiedebach warf beim Arbeitstreffen vor allem die Frage auf, inwieweit Inhalte nivelliert bzw. so vereinfacht werden dürften, dass sie die Teilhabe von allen Lernenden ermöglichen. Die Teilnehmer*innen des Arbeitstreffens waren sich darüber einig, dass eine starke Vereinfachung nicht das Ziel sein könne, sondern ein sprachsensibler Unterricht und eine bessere Vernetzung von Lehrkräften in allen Fächern erfolgversprechender seien.

Mit der Verknüpfung von Fachsprachen und dem Erlernen der deutschen Sprache beschäftigte sich auch der Vortrag von Corina Maier, die Koordinatorin des „Willkommensjahrs“ der Frankfurt University of Applied Sciences ist, und zudem in den Willkommenskursen unterrichtet. Corina Maier berichtete von der Durchführung des Projektes, das ebenfalls seit 2016 läuft und sich aktuell im dritten Durchlauf befindet. Ziel des Willkommensjahres ist einerseits das Erlernen der deutschen Sprache, anderseits ein erster Zugang zu den Studiengängen Architektur und Maschinenbau, in denen schon Veranstaltungen besucht und Credit Points erworben werden können. Corina Maier betonte den sehr hohen Workload für die studieninteressierten Teilnehmer*innen, der bisher den Erfolg des Projekts nicht ausschlaggebend beeinflusste. Aus diesem Vortrag ergab sich die Frage nach einer zwingenden Verknüpfung von Sprache und Fachsprache, die gerade für einen Studienerfolg in den MINT-Fächern unerlässlich zu sein scheint. Wie außerdem beispielsweise Post-DSH-Programme genau aussehen könnten, die Menschen auch nach bestandener DSH-Prüfung im Studium weiterbegleiten, wird noch zu entwickeln sein.

Ein Fazit, das beim Arbeitstreffen gezogen werden konnte, ist die Notwendigkeit einer permanenten Anpassung von Programmen, Institutionen und Strukturen an die jeweiligen Herausforderungen. In den Vorträgen zeigte sich vor allem, dass die Potentiale von Geflüchteten oftmals nicht voll ausgeschöpft werden können, weil es ihnen an Fachsprache und den Möglichkeiten zum Erwerb dieser mangelt.

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